Europas stille Strände: weniger Touristen
Weniger bekannte Strände in Europa, die weniger Touristenandrang erleben. Praktische Tipps für Zugang, beste Jahreszeit und Infrastruktur.
Redaktion TravelFeelings

Europas beliebteste Strände sind im Sommer hoffnungslos überlaufen. Die Costa Brava gleicht einem Open-Air-Parkhaus, die griechischen Inseln verzeichnen Tagesbesucher wie Konzerte, und selbst abgelegene portugiesische Buchten füllen sich mit Urlaubsmassen. Die Realität: Wer im Juli und August an populären Küsten baden möchte, muss mit Strandfeeling wie im Freibad rechnen. Weniger bekannte Strände in Europa bieten eine Alternative — allerdings unter Bedingungen, die nicht für alle passen.
Griechenland: Jenseits von Mykonos und Santorini
Die gängigen Hotspots sind kein Geheimnis mehr. Praktischer: die östlichen und nördlichen Inseln sowie abgelegene Buchten auf größeren Inseln.
Xerokambos, Kreta
Xerokambos liegt an der Südostküste, erreichbar über eine 30 Kilometer lange Schotterpiste von Sitia. Der Strand selbst ist sechs Kilometer lang und meist leer. Dafür gibt es keine Infrastruktur — keine Restaurants, keine Sonnenliegen, kein Schatten außer natürlichen Felsformationen. Zu beachten: Das letzte Dorf mit Versorgung (Makrygialos) liegt 25 Kilometer entfernt. Ideal für Reisende mit Vollversorgung im Auto. Die beste Zeit ist Mai bis Juni oder September bis Oktober — im Juli und August kann es dort bis zu 38 Grad heiß werden.
Old Alykanas Beach, Zakynthos
Old Alykanas Beach befindet sich im nördlichen Teil der Insel, abseits der touristischen Hotspots wie Laganas. Der Strand ist breit, sandig und von weniger Besuchern frequentiert. Der Grund: Er liegt nicht direkt an der Hauptstraße, und die Zufahrtswege sind schmal. Die nächste Taverna ist 200 Meter entfernt; Liegen und Schirme kann man mieten. Das Wasser ist warm und flach — gut für Anfänger. Achten Sie darauf, dass Zakynthos im August völlig ausgebucht ist; September bietet dieselben Bedingungen bei deutlich weniger Touristen.
Makris Gialos, Zakynthos
Makris Gialos im Norden der Insel ist ein weiterer Kandidat. Der Strand ist mit Sonnenliegen ausgestattet, hat aber einen lokalen Charakter bewahrt. Der Zugang erfolgt über eine steile Straße; Parkplätze sind begrenzt. Ein nahegelegenes Tavernagebiet bietet Versorgung. Die Strömung kann südöstlich etwas stark sein — nicht ideal für schwache Schwimmer.
Spanien: Nördlich der üblichen Touristenpfade
Cala Macarelleta, Menorca
Cala Macarelleta ist eine kleine Bucht im Südosten Menorcas, erreichbar von der etwas größeren Cala Macarella über einen 20-Minuten-Fußweg. Die Bucht ist von Pinien eingefasst, das Wasser kristallklar. Allerdings: Der Strand ist eng und klein — bei mehr als 50 Besuchern wirkt es voll. Am besten von 7 bis 9 Uhr morgens besuchen. Die nächste Infrastruktur liegt an der größeren Bucht 20 Minuten entfernt.
San Antolin, Llanes (Asturien)
San Antolin liegt an der nordspanischen Küste, weit entfernt von der Mittelmeer-Tourismusmaschine. Der Strand ist dramatisch: hohe Kalksteinfelsen, Brandung, golden gefärbter Sand. Der Zugang erfolgt über eine steile Treppe vom Dorf Llanes (10 Minuten Fußweg). Das Wasser ist deutlich kälter als Mittelmeer-Standard — 15 bis 17 Grad Celsius im Sommer. Ideal für Wassersportler, weniger für traditionelle Badeurlauber. Die Gegend hat gute Infrastruktur (Restaurants, Hotels) und ist weniger überlaufen als südspanische Resorts.
Sa Riera, Costa Brava
Sa Riera ist ein kleines Fischerdorf mit eigenem Strand. Der Ort hat seinen lokalen Charakter bewahrt — Fischernetze liegen herum, Boote sind überall. Das Wasser ist flach und ruhig. Zugleich gibt es Unterwasserhöhlen und Schiffswracks in der Nähe — attraktiv für Taucher. Die Infrastruktur ist praktisch (einfache Restaurants, kein Massentourismus). Der Strand ist lang genug, um sich zu verteilen, auch an guten Tagen.
Portugal: Qualitätsalternative zur Algarve
Praia da Marinha, Algarve
Praia da Marinha wird oft als “schöner Strand” gerühmt — verständlich, aber irreführend. Der Strand selbst ist klein (etwa 100 Meter), eingeklemmt zwischen Kalksteinfelsen. Der Zugang erfordert eine steile Treppe mit rund 40 Stufen. Im Hochsommer sammeln sich hier 200 bis 300 Menschen auf wenigen Quadratmetern. Praktischer Tipp: Besuch vor 9 Uhr oder nach 16 Uhr reduziert die Menge um 80 Prozent. Die Nähe zur Benagil-Grotte (mit Boot erreichbar) macht den Strand zu einem Touristen-Hotspot — nicht zu empfehlen für Ruhe-Sucher.
Praia de Odeceixe, Algarve
Praia de Odeceixe ist größer und weit weniger besucht. Der Strand ist eine großzügige Bucht zwischen Klippen, mit Süßwasser-Bach, der in einer Lagune ins Meer mündet. Die Bucht ist breit genug für 500 bis 1.000 Menschen — auch im August verteilt sich die Menge. Der Zugang erfolgt über einen 15-Minuten-Fußweg vom Parkplatz. Infrastruktur ist vorhanden (Cafés, Rettungsschwimmer in der Saison). Das Wasser ist wärmer als an der Westküste und weniger wellig. Dies ist wahrscheinlich eine der besten Alternativen in der Algarve für weniger Andrang.
Quarteira, Algarve
Quarteira wird oft übersehen, weil es zwischen Albufeira und Faro liegt. Der Strand ist mehrere Kilometer lang und in Sektionen unterteilt. Im Gegensatz zu Albufeira bleibt es hier ruhig — selbst im Juli sind größere Strandabschnitte halb leer. Grund: Weniger Hochhäuser, weniger Nightlife-Reputation. Die Infrastruktur ist gut (Hotels, Restaurants, Strandbar), aber nicht aufdringlich. Das Wasser ist ruhig, ideal zum Schwimmen. Ein praktisches Geheimnis, das langsam herauskommen dürfte.
Ilha da Barreta, Ria Formosa
Ilha da Barreta ist eine Insel in der Ria Formosa südlich von Faro, erreichbar per Boot (30-Minuten-Fahrt, etwa 15 Euro für Hin- und Rückfahrt). Der Strand ist sechs Kilometer lang und meist sehr leer. Die Insel ist Naturschutzgebiet — wenig Infrastruktur, keine Restaurants. Bringen Sie Versorgung mit. Der Zugang zum Wasser ist flach und sandig — gut für Familien. Am wichtigsten: Keine kommerziellen Liegen oder Schirme; wer Schatten braucht, muss ihn selbst mitbringen (Strandschirm empfohlen). Die beste Jahreszeit ist Mai bis Juni oder September bis Oktober.
Kroatien: Über die Insel-Hotspots hinaus
Pupnatska Luka, Korcula
Pupnatska Luka liegt auf der Insel Korcula, dem südlichen Gegenpol zu Hvar. Die Bucht ist klein, umgeben von Pinien. Der Strand ist steinig-sandig, das Wasser klar. Der Zugang erfolgt über eine ländliche Straße; Parkplatz ist vorhanden. Eine Taverne mit lokaler Küche liegt fünf Gehminuten entfernt. Der Ort bleibt auch im August relativ ruhig — die meisten Besucher konzentrieren sich auf Hvar und Dubrovnik. Die Bucht eignet sich gut für Schnorcheln. Zu beachten: Das Wasser ist etwas kälter (20 bis 21 Grad Celsius im August).
Pasjaca Beach, Süddalmatien
Pasjaca Beach ist eine Kiesbucht unter hohen Kalksteinklippen, erreichbar über eine steile Treppe — ein natürliches Hindernis für den Massentourismus. Der Strand selbst ist lang (200 bis 300 Meter) und meist leer. Es gibt keine Infrastruktur — weder Rettungsschwimmer noch Liegen. Wer hier badet, sollte Sicherheitsbedenken ernst nehmen und nicht allein schwimmen. Parkplatz ist auf der Straße oben verfügbar. Ideal für Reisende, die echte Abgeschiedenheit suchen.
Sveti Jakov, Dubrovnik
Sveti Jakov liegt nur eine Kilometer westlich des Dubrovnik-Stadtzentrums, aber deutlich weniger besucht. Der Grund: Der Zugang erfolgt über eine steile Treppe und einen Fußweg (5 Minuten Gesamtzeit vom Parkplatz). Der Strand ist steinig, aber schmal und überschaubar. Die Nähe zur Stadt bedeutet gute Infrastruktur (nahe Restaurants), aber weniger Ruhe als südliche Alternativen. Ideal für Tagesausflügler, die Dubrovnik-Kultur plus Badevergnügen kombinieren wollen.
Italien: Abseits der Cinque Terre
Cala Murtas, Sardinien
Cala Murtas befindet sich an der Costa Verde westlich von Cagliari und ist über eine Schotterpiste erreichbar (etwa 30 Kilometer von Arbus). Der Strand ist breit und lang — 3,7 Kilometer Strand-Fläche, meist leer. Das Wasser ist flach und sandig, ideal zum Schwimmen. Infrastruktur: Ein einfaches Strandlokal ist vorhanden, aber nur mit Auto erreichbar (nächstes Dorf ist 20 Kilometer entfernt). Am besten: eigene Versorgung mitbringen. Die beste Zeit ist April bis Mai oder Oktober.
Spiaggia Cala Suaraccia, Sardinien
Spiaggia Cala Suaraccia ist eine familienfreundliche Bucht mit seichtem Wasser und Baumschatten. Der Strand ist klein und gepflegt, beliebt bei italienischen Familien, aber nicht überlaufen. Der Zugang ist einfach, Parkplatz ist vorhanden. Ein paar Cafés sind in Gehweite. Das Wasser ist warm und flach — perfekt für Kinder. Die Bucht ist südlich von San Teodoro an der Ostküste Sardiniens, etwa eine Stunde Fahrt von Olbia.
Frankreich und benachbarte Länder
Plage de Saleccia, Korsika
Plage de Saleccia liegt in der Désert des Agriates im Norden Korsikas und ist berühmt-berüchtigt schwer erreichbar. Die offizielle Route: 4×4-Fahrt von Saint-Florent (etwa 60 Minuten, 40 bis 50 Euro pro Person) oder Boot von Saint-Florent (etwa 20 Minuten, 20 Euro). Der Strand ist spektakulär — zwei Kilometer weiße Sanddünen mit türkisem Wasser. Praktisch gesagt: Im Juli und August ist auch dort voll, weil die Erreichbarkeit trotz allem gegeben ist. Ideal: Mai bis Juni oder September bis Oktober besuchen.
Calanque d’En-Vau, Provence (Frankreich)
Calanque d’En-Vau ist eine kleine Bucht zwischen Marseille und Cassis. Der Zugang erfolgt nur per Boot oder 1,5-Stunden-Fußweg (steil, nur für geübte Wanderer). Der Strand ist winzig (etwa 50 Meter), aber sehr schön — hohe weißkalkige Klippen, klares Wasser, wenig Leute. Zu beachten: Im Hochsommer ist auch diese Bucht beliebt (erreichbar per Bootsvermietung von Cassis, 20 bis 40 Euro). Am besten: früh morgens oder von September bis Mai besuchen.
Deauville, Normandie (Frankreich)
Deauville ist eine Hafenstadt mit breitem Sandstrand und Strandpromenade — ganz anders als Mittelmeer-Klischees. Der Strand ist kinderfreundlich, das Wasser kühl (14 bis 16 Grad Celsius im Sommer). Die Infrastruktur ist gut (Restaurants, Hotels, Kinos). Das größte Merkmal: Es ist elegant und gediegen statt laut und voll. Zugänglichkeit per Zug von Paris (zwei Stunden). Die beste Zeit ist Juni bis September; im August wird es voller, aber nicht unangenehm. Das ist weniger ein “Geheimtipp” als vielmehr eine qualitative Alternative zu südfranzösischen Hotspots.
Andere europäische Länder
East Frisian Islands, Deutschland
East Frisian Islands sind sieben autofreie Inseln vor der Nordseeküste. Besuchbar von verschiedenen Startpunkten (Juist ist die beliebteste). Die Strände sind breit, sandig, und das Wasser ist kalt (13 bis 15 Grad Celsius im Sommer). Die Inseln haben Fahrrad-Infrastruktur und sind perfekt für Familien und wanderlustige Reisende. Im Gegensatz zu der Regel gibt es Wattwanderungen, Seehunde, Möwengeschrei. Praktisch: Sehr günstig, gut erreichbar, deutschsprachig. Ideal für Sommer wie Winter.
Latchi, Polis, Zypern
Latchi ist eine nordwestliche Hafenstadt mit breitem Sand und warmem Wasser. Der Strand ist praktisch menschenleer außerhalb der Hauptsaison (Juli bis August). Die Nähe zu Wandergebiet (Akamas-Halbinsel) macht es attraktiv für wandernde Badeurlauber. Infrastruktur ist vorhanden (einfache Hotels, Tavernen, lokale Boote). Das Wasser ist 25 bis 27 Grad Celsius im Sommer — einer der wärmsten Strände auf dieser Liste. Ein praktischer Geheimtipp für Budget-Reisende: billig im Vergleich zu südeuropäischen Standards.
Jurmala, Lettland
Jurmala ist eine Küstenstadt bei Riga mit breitem Strand und historischen Spa-Häusern. Das Wasser ist kalt (15 bis 17 Grad Celsius), aber der Strand ist ruhig und Familie-freundlich. Die Nähe zu Riga (30 Kilometer, Zuganbindung) macht es ideal für Stadtpausen-Badeurlauber. Praktisch: Kostenlos zum Baden, gute Infrastruktur, Wellness-Angebote vorhanden. Im Gegensatz zu südeuropäischen Zielen ist es sehr günstig und wenig überlaufen.
Beste Jahreszeiten und praktische Hinweise
Die Regel ist konsistent: Die Massen konzentrieren sich auf Juli und August. Im Juni und September liegen die Wassertemperaturen noch akzeptabel (18 bis 22 Grad Celsius im Mittelmeer, kälter im Atlantik), die Preise sind 20 bis 40 Prozent niedriger, und die Touristenmengen sind 60 bis 80 Prozent geringer. Im Mai und Oktober wird es in südlichen Zielen eng — zwar kühler, aber noch badebar. Im April und November ist das Mittelmeer unter 18 Grad — nicht ideal für traditionelle Badeurlauber, aber perfekt für Fitness-Schwimmer und Schnorchler.
Ein weiterer praktischer Punkt: Viele kleine Strände haben keine Infrastruktur. Bringen Sie Trinkwasser mit, besonders wenn der Ort kein Restaurant hat. Sonnenschutz ist nicht optional — die UV-Strahlung ist unabhängig von Touristenmengen intensiv. Bade- oder Trekkingsandalen oder Badeschuhe sind praktisch, um über Kieselsteine oder Seeigelstachel zu gehen (häufig an südeuropäischen Orten).
Letzte realistische Erwartung: Echte Geheimtipps sind eine endliche Ressource. Websites wie diese sprechen sie aus und machen sie denkbar bekannter. Die Strände auf dieser Liste sind weniger besucht als Top-Spots, aber nicht leer. Wer völlige Abgeschiedenheit sucht, muss noch weiter fahren — oder im Frühjahr und Herbst reisen, wenn selbst beliebte Orte relativ ruhig sind.



