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Karlsbrücke in Prag im goldenen Abendlicht mit Spiegelung der Altstadt auf der Moldau
Foto: Mushvig Niftaliyev

Tschechien · Mitteleuropa

Prag: die Stadt der hundert Türme und Brücken

Prag besticht durch gotische Baumeister und 22 Bezirke voller Geschichte. Die Hauptstadt Tschechiens zählt zu den sichersten europäischen Städtereisezielen.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten

Die Prager Burg überragt die Stadt von Nordwesten herab und bildet das eigentliche Zentrum Prags. Der Eintritt zum Areal mit Veitsdom und Königspalast kostet etwa 250 bis 280 CZK (ca. 10 bis 11 EUR). Der Veitsdom — offiziell die Kathedrale des Heiligen Veit — ist eine der größten gotischen Kirchen Europas und beeindruckt durch seine Gewölbe und Buntglasfenster.

Die Karlsbrücke verbindet Altstadt mit Kleinseite und zählt zu Prags meistfotografierten Orten. Die 516 Meter lange Steinbrücke mit 16 Bögen steht seit 1992 auf der UNESCO-Welterbeliste. Früh morgens, vor neun Uhr, ist die Brücke deutlich weniger überlaufen als mittags oder nachmittags.

Der Altstädter Ring mit der Astronomischen Uhr ist der zentrale Platz der Altstadt. Zu jeder vollen Stunde öffnen sich die Figuren der Uhr, was hunderte Zuschauer anzieht. Rund um den Platz stehen mittelalterliche Zunfthäuser und Palais, die das historische Stadtbild prägen.

Das Jüdische Viertel umfasst die Alte-Neu-Synagoge von 1270 — eine der ältesten noch genutzten Synagogen Europas — und einen rund 600 Jahre alten Friedhof mit mehreren tausend Gräbern, übereinander gestapelt auf engstem Raum. Ein Freilichtmuseum zeigt das Leben der Prager Juden über Jahrhunderte.

Die Vyšehrad-Zitadelle südlich der Altstadt war im Mittelalter eine weitere Herrscherresidenz. Heute bietet die Höhenfestung über der Moldau Panoramen auf die Stadt und eine Ruhe, die anderen Sehenswürdigkeiten abhanden gekommen ist.

Der Petřín-Aussichtsturm ist ein Eiffelturm-Nachbau aus Eisen, 63 Meter hoch, mit Restaurant in der Mitte. An klaren Tagen sieht man bis 100 Kilometer weit. Eintritt etwa 100 CZK (ca. 4 EUR).

Die Nationalgalerie und das Kunstgewerbemuseum runden das kulturelle Angebot ab. Wer sich für bildende Kunst oder Handwerk interessiert, findet dort europäische und tschechische Sammlungen von Rang.

Tipps für Tagesausflüge

Kutná Hora liegt 65 Kilometer östlich und ist in 40 bis 50 Minuten per Zug erreichbar. Die UNESCO-Stadt war im Mittelalter ein Zentrum der Silbergewinnung. Das berüchtigte Sedlec-Ossarium — ein Karner (Beinkammer), dessen Wände und Kronleuchter aus menschlichen Knochen gefertigt sind — liegt etwas außerhalb. Die gotische Altstadtarchitektur und der Heilig-Barbara-Dom sind ebenfalls sehenswert.

Karlovy Vary, 120 Kilometer westlich, ist eine Kurstadt mit heißen Thermalquellen, die das ganze Jahr nutzbar sind. Die Reise dauert etwa zwei Stunden per Zug. Neben Kurbädern lockt das Stadtbild im Belle-Époque-Stil, und die Bohemia-Glashütte ist ein beliebter Zwischenhalt.

Český Krumlov liegt 160 Kilometer südlich und ist eines der besterhaltenen mittelalterlichen Stadtzentren Europas. Die Anfahrt mit Minibus oder Zug dauert etwa 2,5 Stunden. Das Renaissance-Schloss überragt die Stadt, und die engen Gässchen der Altstadt laden zum Flanieren ein.

Terezín, 55 Kilometer nördlich, war während des Zweiten Weltkriegs ein Konzentrationslager. Das Museum und die Gedenkstätten dokumentieren diese düstere Geschichte. Zugfahrt etwa eine Stunde, danach 20 Minuten Bus. Der Besuch erfordert Zeit und emotionale Vorbereitung.

Schloss Konopiště, 60 Kilometer südlich, ist ein Jagdschloss mit Sammlung von Waffen und Rüstungen. Zugfahrt etwa eine Stunde. Wer sich für Waffengeschichte oder Schlossinneneinrichtungen interessiert, findet dort reichlich Stoff.

Geheimtipps

Die Nerudova-Gasse in Malá Strana (Kleinseite) führt vom Kleinseitner Ring hinauf zur Burg und ist weniger von Massentourismus überlaufen als die Karlsbrücke. Künstler und Handwerksbetriebe sitzen hier in ihren Ateliers, und die Architektur ist authentischer.

Die John Lennon Wall in Malá Strana ist eine künstlerisch bemalte Mauer mit Friedensbotschaften, Zitaten und Porträts. Sie entstand in den 1980er Jahren als Protestort und ist bis heute ein lebendiges Kunstwerk, das ständig überarbeitet wird.

Der Riegrovy-Sady-Biergarten ist ein Park mit Panoramablick auf die Burg, wo Einheimische lokale tschechische Biere trinken und mit Familie oder Freunden Zeit verbringen. Das ist Prager Alltag, nicht touristisches Theater.

Der Botanische Garten mit dem Troja-Palast liegt im Norden und wird von Touristen selten besucht. Wer Ruhe und Grün ohne Menschenmassen sucht, ist hier richtig.

Beste Reisezeit

Mai bis September ist die optimale Reisezeit mit Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad Celsius und wenig Regen. April und Oktober sind Schultermonate mit 13 bis 15 Grad — kühler, aber bedeutend weniger touristisch und oft günstiger bei Hotels.

Juni ist der sonnigste Monat mit durchschnittlich neun Stunden Sonnenschein pro Tag. Die Tage sind lang, und die Wahrscheinlichkeit von Regentagen ist gering.

Juli und August sind zwar warm (24 bis 25 Grad), aber auch zur Hochsaison. Hotels sind teuer, Sehenswürdigkeiten überfüllt, und die Karlsbrücke ist zeitweise nicht zu Fuß zu bewältigen.

Dezember bringt die Weihnachtsmarktsaison, kalt (minus 1 bis 3 Grad), aber atmosphärisch. Wer traditionelle Weihnachtsmärkte mag, sollte diesen Monat wählen.

Beste Reisezeit: Apr, Sep, Okt. Hauptsaison: Mai, Jun, Jul, Aug.
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14°
-1°
  • Hauptsaisonviel los · hohe Preise
  • Saison-Tippideales Wetter · weniger Andrang
  • Nebensaisonruhig · günstig · wechselhaft

Kulturelle Besonderheiten

Die Begrüßung “Dobrý den” (Guten Tag) ist die höfliche Form, die mit Sie-Anrede einhergeht. In informelleren Settings unter Bekannten wird es zur Du-Form “Ahoj” (Hallo). Nach 18 Uhr wechselt man zu “Dobrý večer” (Guten Abend).

Trinkgeld ist in Restaurants üblich, aber nicht verpflichtend wie in den USA — etwa 10 Prozent für guten Service reichen. Das wird oft durch Aufrunden der Rechnung erledigt.

Die Geschäfte öffnen meist um 10 Uhr und schließen um 18 Uhr unter der Woche. Samstags beginnt der Verkauf um zehn Uhr und endet um 14 Uhr. Sonntags sind viele Läden geschlossen — wer für Sonntag einkaufen muss, sollte Supermärkte in Einkaufszentren aufsuchen.

Bier ist in Tschechien Kulturgut. Das Land verbraucht pro Kopf etwa 140 Liter pro Jahr — mehr als jedes andere Land weltweit. Das böhmische Pilsner (Pilsner Urquell) ist weltberühmt, aber auch kleinere Brauereien bieten exzellente lokale Sorten.

Weihnachts- und Osterbrauchtum ist in Tschechien stark ausgeprägt. Zu Weihnachten (Vánoce) gibt es Weihnachtsmärkte (Vánoční trh) in der ganzen Stadt, Gänsebraten und Lebkuchen. Zu Ostern (Velikonoce) sind Umzüge und Ostereierkunst verbreitet.

Cannabis ist in Tschechien für den Eigengebrauch entkriminalisiert — kleine Mengen gelten als Ordnungswidrigkeit, nicht als Straftat. Handel sowie Ein- und Ausfuhr bleiben jedoch strafbar.

No-Gos / Fettnäpfchen

Taschendiebstahl an der Karlsbrücke, dem Altstädter Ring und in der U-Bahn während Stoßzeiten ist Realität, keine Panikmache. Wertsachen gehören in Innentaschen, Rucksäcke sollten im Blick bleiben, und Umhängetaschen sollten vorn am Körper getragen werden.

Nicht lizenzierte Taxis sind ein Problem. Im Zentrum Prags stehen Taxifahrer, die nicht registriert sind und Touristen massiv überberechnen. Bestellte Taxis (z.B. über die App Uber oder Bolt oder telefonisch vorbestellte Taxis der großen Unternehmen) sind zuverlässig.

Geldwechsel bei Straßenhändlern ist ein Klassiker für Betrügereien. Falschmünzen sind möglich, und der Kurs ist deutlich schlechter als an Geldautomaten oder in Banken. Geldautomaten (Bankomaten) sind überall vorhanden und geben echte Banknoten aus.

Rücksichtslose Fotografie in jüdischen Friedhöfen und Gedenkstätten ist ein Tabu. Diese Orte erfordern Respekt und stille Aufmerksamkeit, nicht Instagram-Jäger.

Das Alkohollimit beim Fahren in Tschechien beträgt exakt 0,0 Prozent — null Toleranz. Bußgelder liegen zwischen 100 und 500 EUR, und der Führerschein kann einbehalten werden.

Transport

Der Flughafen Václav Havel liegt 15 Kilometer westlich von Prag. Ein Shuttle-Bus kostet etwa 100 CZK (ca. 4 EUR) und braucht 30 Minuten ins Zentrum. Taxis kosten etwa 200 bis 250 CZK (ca. 8 bis 10 EUR). Uber und Bolt sind ebenfalls verfügbar und oft günstiger als klassische Taxis.

Das öffentliche Verkehrsnetz besteht aus U-Bahn (3 Linien: A, B, C), Straßenbahn (36 Linien) und Bussen. Ein 90-Minuten-Ticket kostet 50 CZK (ca. 2 EUR), eine Tageskarte 150 CZK (ca. 6 EUR). Die Tickets müssen beim Einstieg abgestempelt werden — automatische Validierungsgeräte stehen in jeder U-Bahn und Straßenbahn.

Die U-Bahn ist modern, sauber und häufig, aber Taschendiebstahl ist in Stoßzeiten (7 bis 9 Uhr und 16 bis 18 Uhr Wochentage) ein reales Risiko. In schwach besetzten Waggons nachts ist auch ein sicherheitstechnisches Risiko gegeben.

Fahrradverleih ist in Prag beliebt und die Infrastruktur gut ausgebaut. Ein Leihrad kostet etwa 100 CZK pro Tag (ca. 4 EUR). Verleihstationen gibt es im ganzen Zentrum. Fahrradfahrer sollten aber beachten, dass die tschechischen Autofahrer nicht so fahrrad-tolerant sind wie in Deutschland oder den Niederlanden.

Ein Mietwagen ist für Stadtbesuch nicht nötig und eher unpraktisch — Parken ist schwierig und teuer (teurere Parktickets in der Innenstadt). Für Tagesausflüge zu Zielen wie Kutná Hora oder Český Krumlov ist ein Auto aber praktisch, wenn man flexibel und spontan sein möchte.

Einreise & Bürokratie

Deutsche und europäische Bürger benötigen für die Einreise einen gültigen Personalausweis oder Reisepass. Die Gültigkeit muss für die gesamte Aufenthaltsdauer gegeben sein. Es wird kein Puffer verlangt, aber es ist praktisch sinnvoll, dass der Pass noch mindestens sechs Monate gültig ist (Schengen-Standard).

Visum ist nicht erforderlich für Aufenthalte bis 90 Tage innerhalb von 180 Tagen. Das ist die Schengen-Regel.

Der Hotel-Check-in erfordert von jeder Person (auch von Kindern) einen gültigen Ausweis oder Pass. Das ist tschechisches Gesetz. Bei privaten Unterkünften (z.B. Airbnb oder private Vermietung) ist eine Registrierung mit der lokalen Polizei erforderlich, aber diese wird oft vom Gastgeber übernommen.

Der Grenzübergang von Deutschland nach Tschechien ist Teil des Schengen-Raums — es gibt keine Grenzkontrollen bei Luft, Straße oder Schiene.

Der Führerschein kann ein EU-Führerschein sein; ein internationaler Führerschein (IDP) ist optional aber empfohlen. Wer mit dem Auto reist, benötigt eine elektronische Mautplakette (“Dálniční známka”) für Autobahnen, etwa 300 CZK für zehn Tage (ca. 12 EUR). Ohne Vignette drohen Bußgelder.

Gesundheit & Sicherheit

Für eine Städtereise nach Prag sind über einen aktuellen Standardimpfschutz hinaus keine besonderen Impfungen erforderlich. Grundhygiene wie häufiges Händewaschen mit Seife ist ohnehin ratsam.

FSME (Zeckenencephalitis) ist in einigen Regionen verbreitet. Wer plant, lange Zeit in Wald- oder Parklandschaften zu verbringen, sollte sich impfen lassen.

Das Leitungswasser ist sauber und hochwertig und kann bedenkenlos getrunken werden.

Die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) ist ausreichend für medizinische Notfälle. Eine private Auslandskrankenversicherung ist trotzdem sinnvoll.

Apotheken heißen auf Tschechisch “Lékárna”. Rezeptpflichtige Medikamente benötigen ein tschechisches Rezept; EU-Rezepte werden teilweise akzeptiert. Viele OTC-Präparate sind leicht erhältlich.

Im Notfall wählt man 112 für Polizei, Feuerwehr oder Rettung.

Tschechien zählt zu den Top 10 sichersten Ländern der Welt nach dem Global Peace Index. Es gibt keine Terrorwarnungen seitens deutscher Behörden. Standardsicherheitsvorkehrungen, wie man sie in deutschen Großstädten trifft, sind ausreichend.

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